Sensibilisierung der Sprache
Es ist immer wieder spannend zu erkennen, wie unterschiedlich die Sensibilisierung im Gesundheitsbereich und im Bereich der Medien gehandhabt wird. Immer wieder mache ich mir Gedanken über die Entwicklung der Sprache. Für mich gehört zu einer Tätigkeit im Gesundheitsbereich dazu, dass die Menschen für eine zeitgemässe und respektvolle Sprache sensibilisiert werden. So erachte ich es als sehr wichtig, Menschen, die eine Krankheit haben, stets als “Menschen mit….” zu bezeichnen. Auch ich möchte, sollte ich einmal erkranken, stets in erster Linie als Mensch wahrgenommen werden. Im Bereich Demenz spricht man korrekterweise von einem “Menschen mit einer demenziellen Erkrankung” oder von einem “Menschen mit Demenz”. Am besten gefällt mir der Ausdruck “Mensch mit einer demenziellen Veränderung”. Im Bereich der sonstigen beeinträchtigten Kognition lautet die Beschreibung “Mensch mit einer kognitiven Beeinträchtigung”. Dasselbe gilt für körperliche Beeinträchtigungen. Einen Menschen als “Dementen” oder “geistig Behinderten” zu bezeichnen gilt nicht nur als respektlos, sondern es reduziert diesen Menschen auf seine Krankheit. Der Mensch wird dadurch nur noch über seine Krankheit definiert.
Noch heute wird der Begriff “Geist” nicht von allen Berufsgruppen gleich angewendet. Anbei (u.A.) nachzulesen in einem Artikel in Wikipedia, den ich hier hineinkopiere.
https://de.wikipedia.org/wiki/Geisteskrankheit
“Heutiger Gebrauch des Begriffs
Im juristischen Sprachgebrauch und insbesondere in der forensischen Psychiatrie findet der Begriff weiterhin Verwendung für psychische Störungen von erheblichem Ausmaß (wie Schizophrenie oder auch für geistige Behinderung) und bestimmte Persönlichkeitsstörungen, so etwa im Betreuungsrecht, bei der Entmündigung und der Schuldunfähigkeit.
Im medizinischen und psychologischen Sprachgebrauch wird der Begriff Geisteskrankheit heute wegen definitorischer Schwierigkeiten dagegen kaum noch verwendet.[4] Für die historische Verbreitung des Begriffs hat vor allem der Satz Wilhelm Griesingers (1845) gesorgt: „Geisteskrankheiten sind Gehirnkrankheiten“ (siehe Historische Wurzeln des Begriffs). Die Definitionsversuche des Begriffs können heute als eher mangelhaft angesehen werden.[5]
Man spricht anstelle von Geisteskrankheiten heute meist von psychischen Störungen oder seelischen Krankheiten. Aber noch in dieser Wortwahl macht sich das historische Erbe bemerkbar (vgl. auch Historische Wurzeln des Begriffs. Von den Geisteskrankheiten wurden die Gemütskrankheiten als umschriebene affektive Psychosen und die Geistesschwäche als Störung mit klinisch schwächer ausgeprägter Symptomatik abgegrenzt.”
Der Begriff sollte auch meiner Meinung nach nicht mehr bedenkenlos angewendet werden. Ob der Geist also erkranken kann, sei dahingestellt (Ich glaube, um den Geist in seiner Ganzheit zu verstehen, benötigt man ein eigenes Studium). Die Kognition hingegen kann erkranken oder Schaden nehmen, wie es heute neurologisch nachweisbar ist.
Gerade in therapeutischen Berufen erachte ich einen bewussten Sprachgebrauch als sehr wichtig, da hier grundsätzlich gilt, dass die gesunden Anteile eines Menschen im Vordergrund stehen sollen und seine Ressourcen aktiviert werden können. Wenn man sich antrainiert, von einem “Menschen mit…” zu sprechen, verändert sich der eigene Fokus auf ein Gegenüber mit einer Erkrankung. Man lernt, dem Menschen immer grundsätzlich in seiner Ganzheit und Würde zu begegnen und der Krankheit nicht den höchsten Stellenwert zu geben.
