gramophone

Musik als Ersatz für Medikamente

Es ist ein Fakt, dass in der Schweiz zu oft und unnötig Menschen mit Demenzerkrankung mit Ruhigstellern behandelt werden. Dabei ist sich die Fachwelt sich einig, dass milieutherapeutische Massnahmen einen derart positiven Einfluss auf Menschen mit Demenzerkrankung haben können, dass damit sogar die Gabe von Neuroleptika ersetzt werden kann. Sie mindern oder verhindern also Verhaltensstörungen.

Zu diesen milieutherapeutischen Massnahmen gehören zum Beispiel Tiere, Kinder oder eben die Musik.

Musik steigert sogar die kognitive Leistung. Ein Instrument zu spielen kann präventiv gegen eine Demenzerkrankung wirken und auch bei fortgeschrittener Demenz tauen Patienten regelrecht auf, wenn sie die für sie persönlich richtige Musik zu hören bekommen.

Was ist die «richtige» Musik?

Die Biografie eines erkrankten Menschen ist das ­tragende ­Gerüst, auf dem Sie die ­persönliche Interaktion auf­bauen können.

Besonders die Erinnerungen und Lebensumstände aus den ­formativen Jahren, also grob vom dem 15. bis zum 25. Lebensjahr, sind von Bedeutung. Gemäss aktueller Forschung können sie einer Demenzerkrankung ­besonders gut trotzen.

Die Musikauswahl soll ­gefallen­, Bedeutung im Leben gehabt ­haben und darf Stimmungen ­auslösen. Auch Traurigkeit kann gut ausgedrückt werden.

Mit einer Demenzer­krankung wechselt die Tagesform genau so wie bei einem gesunden Menschen. So ist es möglich, dass nicht immer die gleiche Musik ­beruhigend oder stimmungs­aufhellend wirkt. Es gilt, sich mit Feingefühl, mit Zeit und Humor mit Ihrem ­anvertrauten Gegenüber und der ausgewählten Musik ­auseinanderzusetzen.

Verloren geglaubte Fähigkeiten wie klar formulierte Sätze bei Aphasie, ruhige Bewegungen bei Parkinson oder ganz allgemein wache Momente können durch das Hören, Singen oder Spielen geliebter Musik für eine Zeitdauer wieder aktiviert werden.

Wie finde ich die «richtige» Musik?

Am einfachsten wäre es, einfach nach der Lieblingsmusik zu fragen. Menschen mit einer ­Demenzerkrankung können­ ­jedoch oftmals nicht mehr auf offene Fragen klar antworten.

Besser ist es, einfach damit anzufangen, unserem ­Gegenüber Lieder aus der ­prägenden Zeit vorzuspielen. Diese Musik wirkt dann wie ein Tor zur ­Erinnerung.

Wenn Gespräche nicht mehr möglich sind, können wir auf das Gesicht, die Hände oder die Füsse achten. Wenn die Person sich verkrampft, sollten wir die Musik wechseln. Ist sie aber relaxt und friedlich, dann haben wir ein «richtiges» Musikstück gefunden.

 

Das Ganze ist zweifelsohne eine Herausforderung, aber wenn wir dann mit einem Lächeln belohnt werden, ist doch das der schönste Lohn.

Pro Demenz
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