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Dancing Queen – ein musikalischer Ausflug in die Hippie-Zeit

| Tabea Anderfuhren | Leben mit Demenz
Dancing Queen – ein musikalischer Ausflug in die Hippie-Zeit

Am 10. Juni spielte ich ein Konzert in einem meiner Lieblingshäuser für Menschen mit einer Demenz: Der Sonnweid in Wetzikon. Das Thema war «Weisch no?» und mein Auftrag war, die Lieder aus der Zeit des Woodstock Festivals zu singen. Einen ersten Moment der Begeisterung erlebte ich, als ich die Aktivierungstherapeutinnen antraf: Alle in bunter, blumiger Hippiekluft, just like in the old times. Wie toll, dass sie die Möglichkeit des Kostümierens benutzten, um die Bewohnenden (und mich!) ins Thema des Nachmittages zu führen. Der zweite tolle Moment war, als man mir sagte, dass die Bewohnenden der Sonnweid kaum auf den Stühlen sitzen bleiben würden, da die Meisten sowieso tanzen würden. Gespannt stimmte ich das erste Lied an. Und tatsächlich: Kaum fing ich an zu spielen, kam Bewegung in die 80 Konzertbesucher/innen. Die Betreuenden und die Bewohnenden waren alle in Bewegung, tanzten, klatschten oder wippten sitzend in den Rollstühlen. Eine ganze Stunde lang. 

Ich singe in vielen Häusern und liebe jedes einzelne Konzert für und mit den jeweiligen Bewohnenden. Ich schätze das Gefühl der Gemeinschaft, das durch Musik generiert wird und bin immer wieder fasziniert davon, welche Regungen und Gefühle Musik in Menschen auslösen kann, ob sie nun ganz ruhig zuhören oder lebhafte Freude an den Liedern zeigen. Das Konzert in der Sonnweid hat mir äusserst eindrücklich gezeigt, wie viel Leben in betagten Menschen stecken kann. Ich war beeindruckt von der Fähigkeit der Bewohnenden, sich eine Stunde lang mit grossem Körpereinsatz zu bewegen. Es faszinierte mich, wie sie Freude erlebten, obwohl (oder gerade weil?) sie sich in einer grossen Menschenmenge befanden, wo der Lärmpegel ja relativ hoch ist. Ich war begeistert zu sehen, wie Betagte und Hochbetagte fähig sind, offen zu sein für Musik und Tanz, selbst wenn sie vielleicht die Lieder nicht kennen oder einige die fremde Sprache nicht verstehen. Wie schön ist die Arbeit für mich, wenn die hoch aufmerksamen Betreuenden wissen, wann das aktivierende Programm beendet werden soll und man wieder Ruhe in den Nachmittag bringen kann. So viele lächelnde Gesichter verliessen den Konzertsaal und ich fühlte mich noch bis am folgenden Tag beschwingt und dankbar.

Ich kann es gar nicht genug wiederholen: Musik ist ein Wunderwerkzeug mit fast unerschöpflichem Potenzial, Menschen zu befähigen und glücklich zu machen.